Hochsensibilität

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Risiko oder Potential? 

Hochsensible Menschen empfinden besonders intensiv, nehmen Stimmungen der Mitmenschen sensibel wahr und reflektieren mehr als der Durchschnitt der Menschen. Rund 15 Prozent der Menschen sind als emotional und sensorisch hochsensibel einzustufen. Auch viele der Patienten in meiner psychotherapeutischen Praxis zeigen hochsensible Tendenzen. Im internationalen Klassifikationsschema für medizinische Diagnosen, dem ICD 10, ist Hochsensibilität nicht angeführt.

Hochsensibilität ist auch keinesfalls eine Krankheit, ganz im Gegenteil: Ich sehe Hochsensibilität als Potential, welches es anzuerkennen gilt und das unser Leben jedenfalls im positiven Sinne intensiver machen kann. Voraussetzung dafür ist aber der korrekte Umgang mit den vielen Eindrücken und Empfindungen. Hochsensibilität ist eine besondere Form der Reizverarbeitung, die dazu führt, dass Menschen starke Reize kaum aushalten, sie meiden große Menschenmassen, empfinden die Stimmungen ihrer Mitmenschen besonders intensiv und brauchen nach einem Zusammentreffen von mehreren Menschen häufig Auszeiten der Stille. Die Betroffenen haben oft ein besonders durchlässiges Nervensystem. Auch Gerüche, Berührungen oder Geräusche bringen solche Menschen sehr leicht aus dem Gleichgewicht. Rückzug und Auszeiten sind für hochsensible Menschen besonders wichtig. Nach einigen intensiven Stunden auf einer Veranstaltung ist die innere Batterie erschöpft, es folgt oft chronische Müdigkeit, tagelange Abgeschlagenheit und häufig auch negative Reaktionen der Mitmenschen, die kein Verständnis für die besondere Feinfühligkeit des Partners, Kindes oder Elternteils haben. Unwissenheit über die eigenen Bedürfnisse kann bei hochsensiblen Menschen zu erhöhter Stressbelastung, Ängstlichkeit, depressiven Verstimmungen oder Sinnkrisen führen.

Deshalb meine Hypothese: Hochsensible Menschen finden sich besonders häufig in der psychotherapeutischen Praxis. Patienten lernen in einem psychotherapeutischen Prozess ihr Potential zu schätzen und lernen für sich selbst besser zu sorgen, sich Auszeiten zu den richtigen Zeitpunkten zu gönnen und die Einstellung zu ihrer besonderen Begabung positiv zu ändern.

Weiterführend zu diesem Thema der nachfolgenden Betroffenenbericht:

https://www.zeit.de/2018/03/hochsensibilitaet-reize-empfindungen-wie-es-wirklich-ist